Technische Altlasten gehören zu den hartnäckigsten Problemen der Unternehmens-IT. Laut einer Analyse von McKinsey wenden große Unternehmen bis zu 70 Prozent ihres IT-Budgets für den Betrieb und die Wartung bestehender Systeme auf — Mittel, die für Innovation fehlen.[1] Gartner schätzt, dass bis 2025 mindestens 50 Prozent der unternehmenskritischen Anwendungen auf Technologien basieren, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben oder kurz davorstehen.[2] Die Modernisierung dieser Systeme ist keine rein technische Aufgabe, sondern eine strategische Entscheidung mit erheblichen Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Personalplanung.
Der Begriff "Legacy-System" beschreibt dabei nicht zwangsläufig veraltete Technologie. Ein System wird zum Legacy, wenn es geschäftliche Agilität einschränkt, unverhältnismäßig hohe Wartungskosten verursacht oder Sicherheitsrisiken birgt, weil Updates und Patches nicht mehr verfügbar sind. In deutschen Banken und Versicherungen laufen nach Schätzungen der Bundesbank noch immer rund 800 Milliarden Zeilen COBOL-Code in produktiven Systemen.[3] Diese Systeme funktionieren — aber sie lassen sich nur schwer mit modernen Schnittstellen verbinden, und die Zahl der Entwickler mit entsprechendem Know-how schrumpft rapide.