Future Viability ist in vielen Architekturgesprächen ein starkes Leitwort, bleibt aber oft abstrakt. Die interaktive Methode unten übersetzt Zukunftsfähigkeit in drei bewertbare Dimensionen, einen Quality Catalog, ein zweiphasiges Assessment und eine nachvollziehbare Traceability-Kette von Strategie bis Anwendung.

Das Future-Viability-Dreieck (Future Viability Trinity)

Das Future-Viability-Dreieck ordnet drei Dimensionen in eine bewusste Hierarchie: Adaptability ist die strategisch dominante Dimension und in der Geschäftsstrategie verankert, während Scalability und Flexibility als technische Enabler wirken. Scalability beschreibt den quantitativen Wachstumsspielraum einer Architektur, Flexibility den qualitativen Änderungsspielraum und Adaptability den strategischen Transformationsspielraum. Alle drei bewerten dieselbe Business Capability — sie sind Eigenschaften einer Capability, keine verschiedenen Capability-Typen.

Von Dimensionen zu Indikatoren: der Quality Catalog

Der Quality Catalog übersetzt die drei Dimensionen in messbare Qualitätseigenschaften. Jede Eigenschaft verbindet eine Definition mit einer oder mehreren FV-Dimensionen, einem operativen Indikator und einer konkreten Messmethode. Bewertet wird auf einer fünfstufigen ordinalen Skala; viele Werte lassen sich aus CI/CD-Pipelines, API-Gateways, CMDB-Daten oder Abhängigkeitsanalysen ziehen, der Rest nutzt kalibrierte Bewertungsrubriken. Eine Sonderrolle spielt die Technical Debt Density: Sie ist die einzige Eigenschaft, die auf alle drei Dimensionen zugleich wirkt.

Zweiphasiges Assessment

Das Vorgehensmodell trennt zwei grundverschiedene Tätigkeiten. In Phase 1 („Verstehen") wird erhoben, was Zukunftsfähigkeit für die konkrete Organisation bedeutet: Geschäftsstrategie und Transformationstreiber werden — etwa strukturiert über COBIT-2019-Design-Factors — erfasst, relevante Qualitätseigenschaften ausgewählt und Gewichte zugewiesen. In Phase 2 („Repräsentieren und Bewerten") wird die Architektur entlang der Business Capability Map modelliert, werden strategisch relevante Capabilities bewertet und die Scores aggregiert und visualisiert. Eine Adaptability-Floor-Regel stuft Capabilities mit sehr niedriger Adaptability unabhängig vom Gesamtscore als at-risk ein.

Die Traceability-Kette

Das Metamodell macht jeden Assessment-Score nachvollziehbar: von der Geschäftsstrategie über strategische Treiber und Business Capabilities bis zu den Anwendungen und Systemen, an denen die Indikatoren tatsächlich gemessen werden. Business Capabilities sind dabei der strukturelle Anker der Methode. Indikator-Scores werden an Application- und System-Elementen erhoben und zur Business Capability hochaggregiert — damit wird Traceability operativ statt nur deklarativ.

Live-Demo: InduParts GmbH

Die Demonstration zeigt die Methode am Beispiel der fiktiven InduParts GmbH, eines deutschen Herstellers mit rund 2.000 Mitarbeitenden, fünf überlappenden ERP-Instanzen und einem Legacy-MES. Ein Strategieworkshop gewichtete Adaptability höher als Flexibility und Scalability. Drei Level-1-Capabilities — Customer Order Management, Production Planning und Supply Chain Coordination — werden anhand des Quality Catalog bewertet; Dimensionsgewichte und Indikator-Scores lassen sich interaktiv verändern, alle Werte rechnen live neu.

Konzeptuelles Modell, Quality Catalog, zweiphasiges Vorgehen und Metamodell sind vier Teil-Artefakte einer Methode, die Zukunftsfähigkeit von Enterprise-Architekturen systematisch bewertbar macht. Der nächste Schritt des Forschungsprogramms ist eine naturalistische Fallstudie in einer realen Organisation.

Quellen und Referenzen

Die interaktive Darstellung beruht auf den folgenden wissenschaftlichen Arbeiten von Rosenau, Sandkuhl und Nast:

  1. Rosenau, C., Sandkuhl, K.: "Operationalizing Future Viability in Enterprise Architecture: A Capability-Based Assessment Method", im Erscheinen (EMMSAD 2026).
  2. Rosenau, C., Sandkuhl, K., Nast, B. (2024). "The Role of Business Capabilities for Future Viability in Enterprise Architecture: A Structured Literature Review". Companion Proceedings of the 17th IFIP WG 8.1 Working Conference on the Practice of Enterprise Modeling Forum, M4S, FACETE, AEM, Tools and Demos, Stockholm, December 2024.
  3. Rosenau, C., Sandkuhl, K., Nast, B. (2026). "Investigating Future Viability in Enterprise Architecture: A Qualitative Content Analysis Approach". In: Barateiro, J., Rivkin, A., Zdravkovic, J., Borbinha, J., Mira da Silva, M. (eds) Enterprise Design, Operations, and Computing. EDOC 2025 Workshops. EDOC 2025. Lecture Notes in Business Information Processing, vol 571. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-16234-2_32